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Kursell ein deutsch-baltisches Adelsgeschlecht

Die Familie Kursell lässt sich urkundlich erst im XV. Jahrhundert nachweisen. Der erste Kursell von dem wir wissen, ist Georg (Jürgen) Kursell in Kurland. 1442 wurde Georg mit fünf und einem halben Haken Landes belehnt und es  blieb beinahe ein Jahrhundert im Besitz der Familie. Im Jahre 1528 gaben sie das Lehen auf. Mit Einwilligung Wolters von Plettenberg veräußerte der Sohn des ersten Lehnsträgers das väterliche Gut und ging nach Livland.

Nur ein Glied der Familie scheint in Kurland geblieben zu sein, denn im Jahre 1591 wird hier ein Arend Kursell genannt. Arends Sohn ging nach Reval und trat in die Dienste des edlen Joachim Greve.

Bruder Jürgen hatte hier ein unrühmliches Ende. Bei einem Gelage erstach er den Edelmann Mettstaken und wurde deshalb am 14. September 1597 vor der Kirche mit dem Schwert gerichtet.

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Der Stammvater der Familie, auf den sich in ununterbrochener Folge alle Zweige zurückführen lassen ist Arend Kursell, der als Glied der dorpatschen Ritterschaft am Ende des XV. Jahrhunderts auf seinem Hause Sommerpahlen saß zu dem auch die Güter Kerjel, Rauge und Nursie gehörten. Aus seiner Ehe mit Gertrude von Dönhoff stammten zwei Söhne: Jürgen als Erbe der reichen väterlichen Güter und wohl Reinhold, der 1549 die Hochschule zu Wittenberg besuchte. Es muss ein hochgeachtetet Herr gewesen sein, den auch sein Landesherr in Ehren hielt, dieser Stiftsvogt Jürgen Kursell auf Sommerpahlen. Er gehörte zu den sogenannten burggesessenen Geschlechtern und sein Wort galt im Lande. Das Amt als Stiftsvogt von Dorpat verwaltete er von 1544-1550, außerdem war er von 1543-1551 Verordneter des Bischofs Jodocus von der Recke.

Eine große Kinderschar schenkte ihm seine Gattin Ebba von Uexküll, es waren 6 Söhne und 2 Töchter. Da sein Sohn Klaus 1558 als Herr von Sommerpahlen genannt wird, fällt der Tod des Vaters wohl in diese Zeit. Eine Tochter hatte sich vermählt mit dem ritterlichen Jürgen von Uexküll aus dem Hause Padenorm und die andere mit dem begüterten Ritter Wolmar Farensbach, dem einige in der Wiek gelegenen Güter gehörten. Wolmars Ehe war reich an Nachkommenschaft: unter 11 Söhnen wurde ihm als neunter 1550 jener Knabe geboren, der nach dem Großvater Jürgen getauft als Landsknechtsführer von sich Reden machen sollte.

Die Söhne von Jürgen Kursell: Klaus, Jost, Wolter, Christopher, Jürgen und Heinrich waren sämtlich erwachsen, als die große Katastrophe über alle hereinbrach. Durch Verrat und Intrigen (der Fall Neuhausen) ging in heftigen Kämpfen Dorpat verloren. Auch Sommerpahlen war in die Hände der feinde geraten. Die Landschaften Estlands und die Stadt Reval waren viel weniger als das eigentliche Livland von den Russen mitgenommen worden. Dänemark, in dem König Christian III. seine letzten Tage lebte, drohte auch in Estland Fuß zu fassen. Am 25. Juli 1558 hatte der dänische Christoph von Münchhausen von Komthur Franz von Segenhagen gen. Amsel das Schloss Reval durch Kauf an sich gebracht und als des Königs von Dänemark Statthalter in Verwaltung genommen. Es folgte eine lange Zeit der Unruhen und Wirren, bei denen und Namen wie Gustav Wasa, Prinz Friedrich II. (Sohn vom Dänen König) Herzog Magnus von Holstein, Erich XIV. In Reval rechnete man schon seit dem Herbst 1560 mit der schwedischen Herrschaft…

König Erich hatte von Estland und einem Teil Livlands Besitz genommen und bereits im Jahre 1561 wird Klaus Kursell als schwedischer Rittmeister genannt, unmittelbar nach der Auflösung des Ordensstaates. Innerhalb der Familie Kursell galt sein Wort sehr viel, denn Bruder Heinrich, Schwager Jürgen Uexküll und Neffe Jürgen Fahrensbach folgten seinem Beispiel. Kursell befehligtejetzt  326 Reiter wie aus der schwedischen Musterungsrolle ersichtlich wird…Klaus Kursell wurde am 3. Juni 1570 in Reval enthauptet.

Bruder Heinrich (+1606) wurde durch seine Vermählung mit Agneta Scharenberg Begründer der weitverzweigten Sippe. Seine Tochter Elisabeth heiratete Hermann von Plate, Magdalene ehelichte Tuwe Bremen auf Rumm. Sohn Jürgen wurde der Ehemann von Sophie von Fircks, Christopher ehelichte Elisabeth von Taube, Claus war der Ehemann von Gertrude von Grotthus… Während der Name Jürgen von Kursell kaum mehr erinnern lässt, erfahren wir von der Schenkung Johanns III. an Jost und Wolter. Sie erhielten 1572 gemeinsam das Gut Hasik und das Dorf Kidepe in der Wiek. Jost Kursell machte sich in Schweden ansässig.


Quelle:

Der Feldoberst Klaus Kursell und seine Zeit : ein Bild Ehstlands in der ersten Zeit schwedischer Herrschaft, von Ernst Seraphim: Reval : Kluge, 1897 (Download)

Literatur:

Adelslexikon Bd 7, 1989, S. 98–99
Genealogisches Handbuch der adeligen Häuser B 13, 1980, S. 177–202
Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil 2, 1.2: Estland, Görlitz, 1930, S. 115ff

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