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Rambow im Landkreis Stolp

Im Landkreis Stolp gab es zwei Gemeinden mit dem Namen Karstnitz, die durch den Zusatz Deutsch und Wendisch voneinander unterschieden wurden. Wendisch Karstnitz erhielt 1937 den Namen Ramnitz (heute Karznica) Es liegt östlich von Stolp zwischen Stolpe und Lupow an einem kleinen Bach, dem Rambowbach, der das Gemeindegebiet von Süden nach Norden zur Lupow hin durchfließt. Die Gemarkung bestand aus dem Rambower Wald (Wendisch Karstnitzer Wald) und Ackerflächen zu beiden Seiten des Baches. Die Lauenburger Chaussee (Reichsstraße 2) trennte das Gut Rambow im Norden von dem Gut und Dorf Wendisch Karstnitz im Süden. 

Rambow tritt schon am 13. Jahrhundert in das Licht der Geschichte. Es wird 1282 in einer Urkunde genannt, in der Herzog Mestwin II. der Stanislaus-Kirche in Garde von seinem Vater gegebene Schenkungen bestätigte. 1531 war es im Besitz der von Chorken. 1575, 1601 und 1605 wurden die von Tessen mit den Schmolsinschen Gütern belehnt – darunter auch Rambow. Nach dem Tode von Schwantes von Tessen kam es an die Herzogin Erdmut und an die von Chorken, die es 1650 besessen haben sollen. Dann kamen Wendisch Karstnitz und Rambow 1724 in den Besitz der Grumbkows. Der Staatsminister Philipp Otto von Grumbkow verkaufte sie 1733 an Joachim Ehrenreich von Kettelhack, und von diesem gingen sie an die Familie von Kleist über.

Wendisch-Karstnitz
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Nach Brüggemann hatte Wendisch Karstnitz um 1784 ein Vorwerk, sechs Bauern, zwei Kossäten, eine Schmiede, einen Schulmeister und zusammen mit dem Vorwerk Velsow, das damals auch Felow, Schmolsin, Fistow und Vilsow genannt wurde, insgesamt fünfzehn Feuerstellen.

Rambow bestand aus einem Vorwerk, einer Wassermühle, sechs Bauern, drei Kossäten und vierzehn Feuerstellen. Die sogenannten Karstnitzer Güter im Kreis Stolp, zu denen neben Wendisch Karstnitz, Virchenzin, Rambow und Velsow auch Rumbske, Rowen und Zedlin gehörten, erwarben 1803 die Krockows.

Während die Rumbsker Güter, wie sie später benannt wurden, im Familienbesitz der Krockows blieben, gingen Wendisch Karstnitz, Rambow und Velsow 1855 auf die Familie von Wedel und dann auf Alexander von Livonius (gest. 1871) und seinen Sohn Artur (gest. 1904) über. Zuletzt befanden sich die drei Güter im Besitz der Familie Lehmann. Die Güteradreßbücher verzeichnen 1910/28 Dr. jur. Engelhardt Lehmann auf Wendisch Karstnitz, Rambow und Velsow und 1938 Frau A. Lehmann auf Ramnitz und P. R. Lehmann auf Rambow.

Im Jahre 1938 war das Rittergut Ramnitz 850 ha groß. Es hatte 592 ha Ackerland, 36 ha Wiesen, 3 ha Weiden, 209 ha Wald, 8 ha Hofraum, Unland und Wege, 2 ha Wasserflächen sowie einen Viehbestand von 45 Pferden, 200 Stück Rindvieh, 60 Schafen und 100 Schweinen. Das 714 ha große Rittergut Rambow bestand aus 479 ha Ackerland, 16 ha Wiesen, 7 ha Weiden, 209 ha Holzungen, 2 ha Unland, Hofraum und Wege und 1 ha Wasserfläche. Der Viehbestand belief sich auf 35 Pferde und 180 Stück Rindvieh.

Eine Flucht vor den heranrückenden Russen war den Bewohnern von Ramnitz nicht mehr möglich. Sie versteckten sich im Rambower Wald und kehrten am folgenden Tag in das Dorf zurück. Auch die ostpreußischen Flüchtlinge hatten vor dem Eintreffen der Russen das Dorf in panischer Flucht verlassen, doch nach der Besetzung kamen neue hinzu.

Die Russen besetzten Ramnitz in den Abendstunden des 8. März 1945. Ein russischer Panzer gab einige Schüsse ab, worauf die Deutschen zurückwichen. “Vergewaltigt wurden so gut wie alle Frauen und Mädchen mehr oder weniger oft.”

Einige Tage nach der Besetzung gingen der Schweinestall des Gutes in Ramnitz, eine Feldscheune in Rambow und zwei große Heuschober in Flammen auf. Unter den Trümmern fand man die Leiche von Frau Holm. Die Russen richteten in Ramnitz einen Versorgungsstützpunkt ein. Alles Vieh aus der Umgebung wurde hier zusammengetrieben. 1950 zogen sich die Russen aus Ramnitz zurück.

Die Polen konnten sich wegen der russischen Besatzung erst 1950 in den Besitz des Dorfes setzen. Auch die Bewohner wurden daher erst zu einem relativ späten Zeitpunkt aus ihrer Heimat vertrieben. Die Heimatortskartei Pommern hat 192 vertriebene Dorfbewohner in der Bundesrepublik Deutschland und 78 in der DDR ermittelt. Aus der deutschen Gemeinde Ramnitz wurde das polnische Karznica.

Kriegs- und Vertreibungsverluste: 7 Gefallene, 3 Ziviltote und 36 Vermißte, alles ungeklärte Fälle.

Name:

Rambow oder auch Rębowo (deutsch Rambow, Rãbòwò, auch Rembòwò)  in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Im Powiat Słupski (Kreis Stolp)

Quellen:

Auszug aus dem Buch: “Der Landkreis Stolp in Pommern”
Zeugnisse seiner deutschen Vergangenheit – von Karl-Heinz Pagel
Genealog. Handbuch, Adelige Häuser B, Band XI 1974, S. 256-257
Schultz, Geschichte der gräflich Krockow’schen Familie, S. 39-41
Pil. UB Nr. 339 = PUB 11 Nr. 1237
PII UB Nr. 513 = PUB III Nr. 1685
Ost-Dok. 1 Nr. 174, pag. 471-474

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