Das Adelsgeschlecht Kunheim-Kuenheim

Wappen-Kuenheim

Urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahre 1263 erstmals mit dem Ritter Kunz von Künheim. Er trug schon den Namen des Stammsitzes der Familie, Kienheim, ein Dorf nahe Straßburg. Die Familie war stammesverwandt mit den schon 1120 ritterbürtig erscheinenden Geschlecht von Berstett. Beide kamen aus derselben Gegend und führten auch das gleiche Wappen.

Die Hauptlinie der Kuenheim erlosch im Elsass schon um 1500. Eine seit dem 15. Jahrhundert in Preußen ansässige Linie konnte sich mit einem Ast bis in die Gegenwart fortsetzen. Er bestand ursprünglich aus drei Zweigen mit den Fideikommissen Juditten, Spanden und Stollen. Eine weitere Linie gelangte von Ostpreußen nach Schlesien, starb aber im 17. Jahrhundert wieder aus. Auch die vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. 1798 an drei Kuenheimer verliehenen Grafentitel erloschen schon bald im Mannesstamm.

Wie wir wissen, begab sich Daniel von Kunheim (*um1430) nach Ostpreußen, nachdem er vom Deutschen Orden oder den Ritterbrüdern gehört hatte, welche die alten Heiden daselbst bekriegt und dieses Land viele Jahre in Besitz gehabt hatten. Er bot ihnen seine Dienste an. Als aber 1454 unter Hochmeister Conradt von Erlichshausen eine ganze Landschaft oder 55 Städte und Flecken dem Orden ihre Huldigung aufsagten und König Casimir IV. von Polen als Schutzherrn annahmen, geschah eine große Wandlung, da dem Orden alle Städte außer Conitz, Stum und Marienburg weggenommen waren.

Hier sei nur auf ein paar wichtige Zahlen hingewiesen die geschichtlich relevant sind: der Orden verlor an die 60.000 Personen, insgesamt aber ließen 264.598 Menschen ihr Leben. Für seine tapferen Dienste erhielt Daniel Mühlhausen nebst Kirche und Mühle zugesagt, bestätigt anno 1463 von Heinrich Reuß von Plauen, des Hochmeisters Statthalter auf Morungen. Nochmals bestätigt 1472 von Hochmeister Heinrich von Richterberg. 1493 reiste Daniel von Kunheim nach Rom und erhielt von Papst Innocentius VIII. einen Ablass für die Kirche von Mühlhausen. Er stand in besonderer Gunst bei dem 33. Hochmeister, Herzog Friedrich zu Sachsen, der ihn als Landrichter im Bartensteinischen einsetzte und mit dem Gut Knauthen und anderen belehnte. Aus seiner Ehe mit Dorothea von Elditten sind urkundlich 7 Kinder bekannt, darunter Georg (+28.9.1543)

Georg von Kunheim wird als besonders gütig und voller Hilfsbereitschaft geschrieben. Er sorgte für seine Untertanen, besonders wenn sie alt und unvermögend waren. 1542 setzte er 200 Mark aus, welche seine Leibeserben entweder in der Kirche zu Mühlhausen deponieren oder mit 10 Mark im Jahr verzinsen sollten. (Quelle: LPr Roth 1509 und 3001) Der Markgraf brauchte ihn zu vielen wichtigen Sachen und Gesandtschaften. So war er 1523, als der König von Polen gegen Markgraf Albrecht Krieg führte und der vierjährige Anstand (Waffenstillstand) beschlossen werden sollte, neben vier anderen ansehnlichen Personen nach Thorn abgesandt worden. 1522 wurde nach Preßburg in Ungarn eine Tagung einberufen, um zwischen dem König von Polen und dem Deutschen Orden Frieden zu machen. Hierzu wurde er auf Begehren des Hochmeisters abgesandt.

1525 wurde diese Friedenshandlung als ewiger Vertrag endlich ins Werk gesetzt, indem der Markgraf Albrecht dem König huldigte und der erste Fürst in Preußen genannt wurde. 1540 war Georg unter den Hochzeitsgästen von Kanitz Küchenmeister. 1541 wird eine Hälfte des Dorfes Langendorf bei Schippenbeil verschrieben, mit der ihn Herzog Albrecht d. Ältere 1522 aus besonderen Gnaden beliehen hatte. Die Stadt kaufte von den Kunheim´schen Erben am 2.12.1614 diese Dorfhälfte für 6100 Mark.

stammbaum-kunheim

Sohn Georg* Wilhelm von Kunheim, Herr auf Knauthen und Mühlhausen ist bis heute unvergessen, weil er sich mit Margarethe, der Tochter von Martin Luther vermählt hatte (1534-1570) Ein Bild von ihr gehörte einst zur reichen Innenausstattung von Juditten, ebenso ein vergoldeter Silberring des Reformators von 1525. Georg war ein friedfertiger, rechtschaffender und auch sehr sozialer und besorgter Mann. Alle Werke Luthers hat er neben anderen theologischen Werken testamentarisch der Kirche zu Mühlhausen vermacht.

Er unterstützte Hilfsbedürftige, so z. B. einen alten Schulmeister, der 20 Jahre lang wegen Krankheit ohne Dienst war. Als er 5 Jahre alt war, starb seine Mutter (1537) und als er 11 war, verstarb der Vater (1543) Herzog Albrecht nahm sich seiner an als Freund und Kurator. Zur Schule ging er in Königsberg (akademisches Pädagogium) 1500 immatrikuliert in Wittenberg, wo er von Herzog Albrecht an Philippus Melanchthon empfohlen war. 1552 wütete die Pest und so entschied sich Georg für die Universität in Franfurt an der Oder.

Margarethe-Luther

Seine erste Hochzeit fand 1555 im Beisein vieler Grafen und Herren, insbesondere von Christoph Graf zu Barby und Mühlingen statt. Seine zweite Ehefrau wurde nach 1570 Dorothea von Oelsnitz (lt. LPr. von Elßnitz) In einem Testament bestimmte Georg, zwischen seinen beiden Frauen bestattet zu werden und bittet darin seine Kinder zur Beständigkeit in der Religion. 8 Jahre vor seinem Tode erlitt er einen Schlaganfall. Er verstarb 79-jährig am Abend des 18.10.1611.

Die Genealogien zur Familie Kunheim, Luther, Müllenheim und die Verbindung zu Rembow findet ihr in der Datenbank.

In Juditten befindet sich noch ein recht gut erhaltener Landsitz. Begründet wurde das hiesige Gut zur Ordenszeit von der Familie von Lesgewang, die pruzzischen Ursprungs ist. 1711 erwarb die Witwe Maria Elisabeth von Kunheim das Gut für ihren fünften Sohn Otto Wilhelm und hier wohnte die Familie v. Kuenheim, die im 15. Jh. aus dem Elsaß nach Preußen zugewandert war, bis 1945.

Wenn wir in der Gegenwart über die Familie von Kuenheim (Kunheim) reden, fällt ein Name: Eberhard von Kuenheim (*2. Oktober 1928 in Juditten ist ein deutscher Manager und war von 1970 bis 1993 Vorstandsvorsitzender der BMW AG. Das Handelsblatt und Stern sagen über ihn, er machte BMW groß.

Quellen:

  • Restlose Auswertung von Leichenpredigten und Personalschriften von Fritz Roth (Nr. 1509, 3001, 3301) Band 1-10, Boppard 1959
  • Auszüge aus der Kartei Quassowski
  • Stemmata Genealogica praecipuarum in Prussia Familiarum Nobilum

Literatur:

  • Hildebrandt, A. M.: Vierteljahrsschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie, herausgegeben vom Verein Herold in Berlin, Jahrgang 1880, Seite 89-100

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