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Der Heiduck Johann „Carl“ Theodor LIESEGANG
Der Beruf des Personenschützers ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Auch in früheren Jahrhunderten gab es schon Personenschützer, nur wurden sie anders genannt. Im thüringischen Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen des 19. Jahrhunderts hießen die Leibwächter des Fürsten Heiducken. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Ungarischen (hajdú, Plural hajdúk) vom Verb hajtani, was „treiben“ bedeutet. Ein hajdú war demnach ursprünglich ein Viehhirt oder Ochsentreiber. Als Ende des 15. Jahrhunderts die Kriege gegen das Osmanische Reich den Viehhandel lähmten, wurden viele dieser wehrhaften Hirten arbeitslos. Aufgrund ihrer Kampferprobtheit verdingten sie sich als Fußsoldaten und Söldner im Grenzschutz gegen die Osmanen. Im Deutschen wurde im 16. Jahrhundert während der Türkenkriege irrtümlich die ungarische Pluralform hajdúk als Einzahl („der Heiduck“) übernommen. Da ungarische Magnaten (Adlige) diese Kämpfer oft als persönliche Leibwachen hielten, verstand man im deutschen Raum unter einem Heiducken bald nur noch einen herrschaftlichen Diener oder Lakaien, der in traditioneller, prächtiger ungarischer Tracht die Kutschen (hinten auf dem sogenannten Lakaienbrett stehend) oder Sänften seiner Herren begleitete.
Ein solcher Heiduck war auch der in Berka am 2. März 1844 geborene Sohn eines Handarbeiters Johann “Carl” Theodor LIESEGANG. Wir finden ihn (hintere Reihe, 4. von links) auf dem obigen Gruppenbild der Leibdienerschaft des Fürsten Günther Friedrich Carl II. von Schwarzburg- Sondershausen, das etwa um 1880 entstanden sein dürfte. Das obige Foto ist Teil der historischen Ausstellung im Schloss Sondershausen. (Da das Bild beim Abfotografieren verzerrt wurde, musste die KI es wieder richten.) Der Heiduck Carl LIESEGANG muss schon eine sehr stattliche Erscheinung gewesen sein, da er schätzungsweise etwa 1,90 m groß war, wenn man sich im Vergleich dazu die übrige Leibdienerschaft anschaut. Das dürfte einer der Gründe gewesen sein, ihn als Leibwächter des Fürsten auszuwählen.
Günther Friedrich Carl II. von Schwarzburg-Sondershausen
Sein Dienstherr und Landesvater Fürst Günther Friedrich Carl II., geboren am 24. September 1801 in Sondershausen, gestorben am 15. September 1889 ebenda, war der vom 19. August 1835 bis zum 17. Juli 1880 regierende Fürst von Schwarzburg-Sondershausen, Graf von Hohnstein, Herr zu Arnstadt, Sondershausen, Leutenberg und Blankenburg. Er war der Sohn des Fürsten Günther Friedrich Carl I. von Schwarzburg-Sondershausen (1760–1837) und dessen Gemahlin Fürstin Caroline (1774–1854), Tochter des Fürsten Friedrich Karl von Schwarzburg-Rudolstadt.
Er beerbte seinen greisen Vater am 19. August 1835 im Amt des regierenden Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, einem etwa 900 km² umfassenden Kleinstaat aus je einem Gebietsteil in Nord- und in Mittelthüringen. Im Jahr 1837 verstarb sein Vater. Günther begann einige Jahre nach seinem Amtsantritt, den Staat zu reformieren. Mit der Reichsgründung 1871 war das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen ein Bundesstaat des Deutschen Kaiserreichs geworden. In seiner Regierungszeit kam es zu regen Bautätigkeiten. Er ließ sein Residenzschloss in Sondershausen im damaligen Modegeschmack des Klassizismus umgestalten, dazu holte er Carl Scheppig, einen bedeutenden Schinkelschüler aus Berlin an den Sondershäuser Hof. Durch finanzielle Engpässe und die Scheidung des Fürstenpaares konnten die Pläne nur teilweise umgesetzt werden.
Am 17. Juli 1880 übergab Günther die Amtsgeschäfte aufgrund seines hohen Alters und eines Augenleidens an seinen Sohn Karl Günther. Der Fürst verstarb schließlich am 15. September 1889 und seine Gebeine wurden nachträglich im Jahr 1891 in die neu erbaute fürstliche Grabkapelle der Trinitatiskirche in Sondershausen überführt. Quelle: Wikipedia.
Carl LIESEGANG lernte auf dem Schloss Sondershausen auch seine zukünftige Frau, Bernhardine “Louise” Friederike SCHMIEDECKE, die am 31. Mai 1846 in Sondershausen geborene Tochter des Bürgers und Hoftheater-Schneidermeisters Johann “Friedrich” Wilhelm SCHMIEDECKE, kennen, die er am 26. Januar 1873 in der Trinitatiskirche der Residenzstadt heiratete. Übrigens war sein Schwager Wilhelm SCHMIEDECKE (1836 – 1903) als Lakai ebenfalls am fürstlichen Hof beschäftigt (auf dem obigen Gruppenbild, hintere Reihe, 2. von rechts). Carl LIESEGANG starb im Ruhestand am 18. September 1911 in Sondershausen im Alter von 67 Jahren. Seine Witwe Louise überlebte ihn um 11 Jahre und starb daselbst am 30. Januar 1922 im Alter von 75 Jahren.
Die Nachkommen von Johann “Carl” Theodor LIESEGANG als Buchhändler in Schleswig
Der Ehe entstammten eine Tochter Wilhelmine Dorothea “Marie” LIESEGANG (* 1874, verheiratet mit dem Seminarlehrer Gustav RAUCH) und ein Sohn “Carl” Ferdinand Ottomar LIESEGANG (*1875, + 1937). Letzterer wurde vor genau 125 Jahren am 9. Oktober 1901 Gründer der Buchhandlung Liesegang, eines traditionsreichen Buchhandelsunternehmens mit Hauptsitz im schleswig-holsteinischen Schleswig mit heute 7 Filialen in Eckernförde, Flensburg, Husum, Kiel und Rendsburg. Die Liesegang GmbH wird noch heute von der namensgebenden Gründerfamilie geführt.
Auf der Postkarte vom Stadtweg in Schleswig aus der Kaiserzeit sieht man das Mutterhaus der Buchhandlung Karl Liesegang auf der rechten Seite im Haus Stadtweg Nr. 8.
Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 2001 zog das Unternehmen in vierter Generation unter dem Geschäftsführer Peter LIESEGANG in die Fußgängerzone (Stadtweg 22) und eröffnete dort ein großes Medienhaus auf knapp 700 m² Verkaufsfläche.
Danksagung
Ein großes DANKESCHÖN richtet sich an meinen Forscherkollegen Gunnar Nebelung. Text sowie Fotos stammen von ihm.
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