| Notizen |
- Seine ersten Engagements führten ihn 1906 als 2. Repetitor n ach Berlin, 1907 über Breslau als Chorleiter nach Zürich und anschließend wieder nach München. 1910 engagierte ihn Hans Pfitzner als 3. Kapellmeister nach Straßburg. 1911 ging er n ach Lübeck und dirigierte dort das Orchester des Vereins der Musikfreunde. 1915 wurde Furtwängler Operndirektor in Mannh eim, 1919–21 fungierte er als Chefdirigent des Wiener Tonkün stlerorchesters, 1920 übernahm er als Nachfolger von Richard Strauss die Konzerte der Berliner Staatsoper. Von 1921 bis 1927 hatte er (gemeinsam mit Leopold Reichwein) die Stelle d es Konzertdirektors der Gesellschaft der Musikfreunde in Wie n inne und dirigierte in dieser Funktion das 1921 neu konsti tuierte Wiener Sinfonieorchester (seit 1933: Wiener Symphoni ker). Ab 1922 arbeitete er als Chefdirigent der Berliner Phi lharmoniker und dirigierte außerdem bis 1928 das Gewandhauso rchester in Leipzig als Gewandhauskapellmeister. Für das Jah r 1931 hatte er die Gesamtleitung der Richard-Wagner-Festspi ele in Bayreuth. 1933 wurde er außerdem zum Leiter der Berli ner Staatsoper ernannt, wobei er gleichzeitig auch am Deutsc hen Opernhaus Berlin-Charlottenburg gastierte. 1945 erhielt Furtwängler von den amerikanischen Besatzungsbehörden zunäch st Dirigierverbot. Verheerender noch war für ihn seine inter nationale Ächtung und seine Brandmarkung als Sündenbock: Man titulierte ihn „Hitlers gehätschelten Maestro“ und verleumd ete ihn als „musikalischen Handlanger der nazistischen Blutj ustiz“ und als „eine der verhängnisvollsten Figuren des Nazi reiches“. Die emigrierten Künstler hingegen verübelten Furtwängler vor allem seine Prominenz im Dritten Reich. Dabei wurde vergess en, dass er bereits zu Zeiten der Weimarer Republik ein Star dirigent war. Fred K. Prieberg vermutet denn auch, dass die Ablehnung, die Furtwängler aus Emigrantenkreisen entgegensch lug, sich letztlich auf die Enttäuschung gründete, dass er n icht emigriert war: „Er war ein Symbol. Er verkörperte – vor der großen Öffentlichkeit, ja in den Schlagzeilen der Weltp resse – wie kein anderer deutscher Musiker die deutsche Tonk unst. Er hatte, nicht erst seit 1933, sondern schon während der Republik, eine so fest etablierte Machtstellung, daß in der öffentlichen Meinung Aufgabe und Person verschmolzen: Fu rtwängler, Begriff für genialische Kunstübung, Symbol der tr eibenden Kraft im Musikbetrieb des Reiches. Welche Herausfor derung für Emigranten! Da lebte ein unvergleichlicher Künstl er in Deutschland unter der Herrschaft der Nationalsozialist en, und er weigerte sich, sie – die Emigranten – dadurch in ihrer Rolle zu bestätigen, oder wenigstens ihr erzwungenes L os zu teilen, daß er der Barbarei den Rücken kehrte.“Wenn ma n Furtwängler Kollaboration mit und Propaganda für den NS-St aat vorwarf, so unterschätzte man dabei nicht zuletzt auch e klatant die Zwänge, denen man auch als Prominenter „in einem Terrorregime wie diesem, dessen Grausamkeit doch auch sonst jeglicher Vergleichbarkeit entzogen wird, ausgesetzt war.“ Ronald Harwood schrieb 1995 das Bühnenstück „Taking Sides“, das als „Der Fall Furtwängler“ von István Szabó im Jahr 2001 verfilmt wurde. Furtwängler, Mitglied der weitverzweigten F amilie Furtwängler, war zweimal verheiratet. 1923 heiratete er die Dänin Zitla Lund. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereit s vier außereheliche Kinder. Die Ehe selbst blieb kinderlos. 1931 erfolgte die offizielle Trennung des Paars, die Scheid ung jedoch erst 1943. Im selben Jahr heiratete er Elisabeth Ackermann, geborene Albert, deren erster Mann, Hans Ackerman n, im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Aus dieser Ehe ging de r einzige eheliche Sohn, Andreas E. Furtwängler (* 11. Novem ber 1944) hervor. Furtwängler war Stiefvater der Schauspiele rin Kathrin Ackermann, deren Tochter Maria Furtwängler ebenf alls als Schauspielerin bekannt ist. Sein Grab wird von eine r Steinplatte mit dem Vers aus 1. Kor. 13,13 bedeckt: Nun ab er bleibt Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Aber die Lieb e ist die Größte unter ihnen. Neben ihm ruhen seine Mutter u nd seine Schwester Märit Furtwängler-Scheler. Der Fürsprache Paul Hindemiths, Yehudi Menuhins, Szymon Gold bergs sowie seiner langjährigen jüdischen Sekretärin Berta G eissmar verdankte es Furtwängler, dass er 1947 freigesproche n wurde. Am 25. Mai 1947 dirigierte er erstmals wieder in ei nem öffentlichen Konzert die Berliner Philharmoniker. Es dau erte jedoch noch weitere fünf Jahre, bis er 1952 wieder zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker ernannt wurde, di esmal auf Lebenszeit.
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