| Notizen |
- Friedrich wurde von seinem Vater, dem "Soldatenkönig", autor itär, hart und militärisch erzogen und dieser machte nie ein en Hehl daraus, dass er die schöngeistigen Ambitionen seines Sohnes, die er "weibisch" nannte, verachtete. Es wird mittl erweile kaum noch bezweifelt, dass Friedrich homosexuell war (dagegen Kunisch. Vor allem aus Briefen mit seiner Schweste r Wilhelmine sowie Aufzeichnungen dieser ist bekannt, dass F riedrich schon im Alter von 16 Jahren mit dem 17-jährigen Pa gen seines Vaters, Peter Christopher Keith, mehr als nur bef reundet war. Zwar entließ Friedrich Wilhelm den Pagen, als e r dieser Beziehung gewahr wurde, aber auch in den Leutenant Borcke, den ihm sein Vater nun als Freund zuwies, verliebte sich Friedrich, was von diesem jedoch nicht erwidert wurde. Mit seinem ebenfalls homosexuellen Bruder Heinrich geriet er in den 1740er Jahren sogar aus Eifersucht um einen Pagen in heftigen Streit und Voltaire schmähte Friedrich ab 1753 weg en dessen Homosexualität, nachdem sich die beiden überworfen hatten. Friedrichs Arzt Johann Georg Zimmermann behauptete jedoch nach Friedrichs Tod, der König habe die Berichte um s eine Homosexualität bewusst selbst in Umlauf gebracht, um vo n einer organisch bedingten Impotenz abzulenken, für die bei der Obduktion jedoch keine Anzeichen gefunden wurden und di e Friedrich selbst in keinem seiner Briefe je erwähnt hat. K urz nach der unerfüllten Liebe zu Borcke entwickelte sich ei ne Beziehung zum acht Jahre älteren Leutnant Hans Hermann vo n Katte. 1730 unternahm er gemeinsam mit diesem einen möglic herweise bewusst dilettantisch geplanten Fluchtversuch nach England, der jedoch bereits in seinen Ansätzen vereitelt wur de. Beide wurden in der Festung Küstrin inhaftiert, wo Katte hingerichtet wurde. Ob der Richtplatz von Friedrichs Zelle aus einsehbar war (ob die Hinrichtung also vor Friedrichs Au gen hätte stattfinden sollen) ist umstritten, aber Friedrich soll ohnehin vor der Hinrichtung ohnmächtig geworden sein. Zunächst war Katte von einem preußischen Kriegsgericht wegen Desertion zu lebenslanger Festungshaft verurteilt worden, F riedrichs Vater aber ließ dem Gericht mitteilen, es möge sic h nochmals zusammensetzen und ein neues Urteil fällen, womit er die Richter unmissverständlich aufforderte, ein Todesurt eil gegen Katte zu verhängen. Sogar seinen Erbfolger Friedri ch verschonte der König hauptsächlich nur aus außenpolitisch en Überlegungen. Enge Freundschaften verbanden den Kronprinz ebenfalls wiederum mit Mitgliedern des Hofes wie Friedrich Wilhelm von Grumbkow und Jacob Paul von Gundling, die in öst erreichischem Sold standen. Unter ihrem Einfluss heiratete e r 1733 im Schloss Salzdahlum Elisabeth Christine von Braunsc hweig-Bevern (1715-1797), eine entfernte Verwandte des Hause s Habsburg. Die Ehe blieb kinderlos, was, wenn auch in der V ergangenheit die erzwungene Ehe und Impotenz infolge einer K rankheit in der Jugend als Grund hierfür favorisiert wurden, vor allem in Friedrichs Homosexualität begründet gewesen se in dürfte. Obwohl Friedrich die aufgezwungene Ehe nie akzeptierte und s ich anfänglich lieber das Leben nehmen als in diese einwilli gen wollte, blieb seine Frau ihm zeitlebens ergeben. Friedri ch lebte ab 1740 von Februar bis kurz vor Weihnachten in Pot sdam, während die Königin im Berliner Stadtschloss oder in S chönhausen logierte und auf die Befehle des Monarchen wartet e. Nach 1740 sah man das Königspaar lediglich zu Galafesten gemeinsam auftreten. Seine Frau nicht zu verstoßen, hatte er seinem Vater noch kurz vor dessen Tod versprechen müssen. L ediglich während der Rheinsberger Jahre (1736-1740) sah man das junge Paar ehetypisch zusammen leben. Inwieweit Friedric h seiner Gemahlin in dieser Zeit zugetan war, ist schwer nac hzuvollziehen. Möglicherweise galt die "traute Zweisamkeit" des Kronprinzenpaares vor allem der Beruhigung des misstraui schen Königs. Sechs Monate nach seiner Thronbesteigung im Ja hre 1740 begann Friedrich den Ersten Schlesischen Krieg, in dem er für das stark zergliederte und an Naturgütern arme Pr eußen eine wirtschaftlich starke Region erobern und eine Gre nze schaffen wollte, die leichter zu verteidigen war. Auslös er für den Überfall auf Schlesien war der Tod des habsburgis chen österreichischen Erzherzogs und deutschen Kaisers Karl VI., der keine männlichen Erben hinterließ. Karl hatte sich zwar durch die Pragmatische Sanktion die weibliche Erbfolge Maria Theresias von den meisten deutschen Fürsten und europä ischen Monarchen zusichern lassen, doch erhoben nach dessen Tod mehrere Fürsten, darunter vor allem Karl I. Albrecht von Bayern, Erbansprüche auf Österreich bzw. dessen Territorien . Unter diesen hatte Preußen mit seinen veralteten und im Re ich schon lange als abgegolten angesehenen Ansprüchen auf Te ile Schlesiens die schwächste Position, weswegen Friedrichs Besetzung des unverteidigten Landes (und der erst danach ang ebotenen Hilfe, Österreich bei der Sicherung der Pragmatisch en Sanktion zu unterstützen) im Reich und in Europa als unge heurer Rechtsbruch wahrgenommen wurde. Mit den aus preußisch er Sicht als Ersten Schlesischen Krieg bezeichneten Kampfhan dlungen wurde der bis 1748 währende Österreichische Erbfolge krieg ausgelöst, aus dem Preußen mit dem damals verbündeten Sachsen 1742 in einem Separatfrieden mit Österreich (Friede von Berlin) und unter der Garantie der eroberten schlesische n Gebiete ausschied. Die mit diesem Separatfrieden öffentlic h im Stich gelassenen preußischen Alliierten Frankreich und Bayern zeigten deutliche Enttäuschung und die nun Österreich zugesicherte Hilfe Preußens für dessen fortdauernden Krieg wurde kaum umgesetzt. Nach diesem Ersten Schlesischen Krieg und dem enormen Achtungs- und Gebietsgewinn für Preußen sind die ersten Bezeichnungen Friedrichs als "Friedrich der Groß e" belegt. Der so genannte Zweite Schlesische Krieg hatte zu nächst nichts mit Schlesien zu tun. Das von vielen Seiten be drängte Österreich war durch eine Allianz mit England und de r Eroberung Bayerns soweit erstarkt, dass Friedrich II. auf der Seite der Gegner Österreichs erneut in den Krieg eingrif f. Unter der Begründung, dem besetzten Bayern zur Hilfe zu k ommen, marschierte er 1744 in Böhmen ein, womit er erneut ve rtragsbrüchig wurde. Dies festigte endgültig den Ruf Friedri chs als höchst unzuverlässiger Bündnispartner. Der Angriff a uf Böhmen wurde zu einem militärischen Desaster, so dass sic h Friedrich wieder nach Schlesien zurückziehen musste. In de r Zwischenzeit starb der wittelsbachische Kaiser und Bayern erreichte mit der Unterstützung eines habsburgischen Kaiserk andidaten einen Frieden mit Österreich. Dies gab den österre ichischen Truppen die Möglichkeit, Friedrich nach Schlesien zu folgen, wo sie jedoch seinen gewagten "Alles-oder-Nichts" -Schlachtmanövern unterlagen. Damit erreichte der preußisch e König 1745 zumindest die erneute Garantie seiner schlesisc hen Eroberungen im Frieden von Dresden. Die Behauptung, er h abe den "Zweiten Schlesischen Krieg" zur Verteidigung Schles ien begonnen, wurde erst im Nachhinein von Preußen propagier t und diente der Rechtfertigung des offenen Bruchs des Fried ens von Berlin von 1742. Im Ersten Schlesischen Krieg erober te er mit seinem Generalfeldmarschall Kurt Christoph Graf vo n Schwerin Schlesien. Im Zweiten Schlesischen Krieg verteidi gte der Monarch diese Eroberung erfolgreich. Im Siebenjährig en Krieg marschierten seine Truppen in Kursachsen ein. Damit kam er einem koordinierten Angriff einer Allianz praktisch aller direkten Nachbarn Preußens einschließlich der Großmäch te Österreich, Frankreich, Russland um wenige Monate zuvor, die vom österreichischen Kanzler Graf Kaunitz initiiert word en war. Das Zahlenverhältnis der Armee Preußens gegenüber di eser Allianz betrug etwa 1:3, das der reinen Bevölkerungszah l der Staaten etwa 1:20. Seines strategischen Geschicks wege n, das einige schwerwiegende taktische Fehlentscheidungen, d ie sich beispielsweise in seinen drei Niederlagen bei Kolin, Hochkirch und Kunersdorf zeigten, wieder relativierte, bürg erte sich für ihn der Beiname "der Große" ein. Allein der Si ebenjährige Krieg kostete eine Million Menschen das Leben, w eite Landstriche wurden verwüstet. Thomas Mann nannte Friedr ich II. in diesem Zusammenhang ein "Ungeheuer". Bei der Ero berung Schlesiens im Ersten Schlesischen Krieg (1740-1742) n utzte Friedrich die Schwäche Österreichs, die durch die Prag matische Sanktion und den erst im Jahre 1739 beendeten Türke nkrieg entstanden war. Die mehrfach gefährdete Sicherung der neuen evangelischen Niederschlesien war zu 95 % deutschspra chig und überwiegend evangelisch (68 %) und reichen Provinz Schlesien im darauf folgenden Zweiten (1744-1745) und Dritt en Schlesischen Krieg, dem so genannten Siebenjährigen Krieg (1756-1763), ließen das protestantische Preußen zum gleichb erechtigten Partner in der europäischen "Pentarchie" (Leopol d von Ranke) werden. Die wenig angesehene preußische "Streus andbüchse des Heiligen Römischen Reiches" hatte sich gegen d en Widerstand von schließlich fünf europäischen Großmächten (Frankreich, Österreich, Russland, Schweden, Sachsen-Polen) behauptet. Dadurch verschaffte er dem gemäß dem Urteil viele r Geistesgrößen von Voltaire und Mirabeau bis Walther Rathen au und Sebastian Haffner modernsten der damaligen Staaten ei ne sichere existenzielle Basis im politischen Konzert der da maligen Mächte. Neben Russland, Österreich, Frankreich und E ngland hatte sich Preußen endgültig als fünfte europäische G roßmacht etabliert. Die Erste Teilung Polens 1772 ging auf e ine Initiative des Diplomaten Graf Lynar zurück und stand vo r dem Hintergrund kriegerischer Unruhen in Polen und des sic h daraus ergebenen russisch-türkischen Krieges. Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III . 1763 konnte Katharina II. mit der Unterstützung Friedrichs einen russischen Nachfolger (und ehemaligen Geliebten Katha rinas) auf dem polnischen Thron durchsetzen, Stanislaus II. August Poniatowski. Der darauf folgende russische Einfluss i n Polen hatte massive Widerstände weiter Teile des polnische n Adels zur Folge, dem Stanislaus trotz des Einmarschs russi scher Truppen 1768 in Polen machtlos gegenüberstand. In dies er Situation erklärten die Türken 1768 Katharina II. den Kri eg und österreichische Truppen besetzten (jedoch wohl unter Einverständnis Stanislaus') 1769 südliche Gebiete Polens. In einem Brief an seinen Gesandten von Solms in Petersburg sch rieb Friedrich II. 1769 von einer "seltsamen Idee" und einem interessanten und verführerischen Plan Lynars, sich für die Schwierigkeiten in Polen und die Hilfe in Russlands Krieg g egen die Türken an einigen Landesteilen Polens schadlos zu h alten. Dies wurde in Russland ebenso mit Interesse aufgenomm en. Österreich nahm auf Drängen Kaunitz' und gegen anfänglic hen Widerstand Maria Theresias an den Verhandlungen teil, di e 1772 zur Annektierung polnischer Gebiete durch Russland, P reußen und Österreich führten. Preußen annektierte das so ge nannte Polnisch-Preußen bzw. Westpreußen. Seitdem nannte sic h der Monarch Friedrich II., König von Preußen und nicht meh r, wie seine beiden Vorgänger, König in Preußen.
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