| Notizen |
- RAMBACH, Johann Jacob, evangelisch-lutherischer Theologe, * 24.2. 1693 in Halle, + 19.4. 1735 in Gießen. Rambach entstammt einer thüringischen Handwerkerfamilie. J. J. ist ältestes Kind des Hallenser Schreinermeisters Johann Jakob R. und dessen Ehefrau Dorothea Lauterborn aus Eislebe n und erlernt zuerst das Tischlerhandwerk, nachdem der bega bte, aber lernunwillige Junge 1706 das Gymnasium verlassen hatte. Nach einem Arbeitsunfall, den R. als einen Fingerzeig Gotte s versteht, tritt er Anfang 1708 in die Glauchische Lateins chule ein. 1712 nimmt R. das Studium auf, zunächst in Halle, wo R. von August Hermann Francke (s.d.) eingesegnet wurde, dann in Jena (1719), wo R. in enge Beziehung zu Johann Fra nz Buddeus (s.d.) tritt. Seine sprachliche Begabung lenkt bald die Aufmerksamkeit Jo hannGottfried Michaelis' (s.d.) auf ihn, so daß R. zwischen zeitlich dessen Mitarbeiter an der Biblia Hebraica in Dalwi tz wird. Am 11.5. 1720 wird R. Privatdozentfür Philosophie, nachdem er mit der am 4.3. mit der Magisterprüfung die Lehr erlaubnis erworben hatte, am 19.10. folgt die Habilitation für Theologie in Jena.1723 wird W. nach dem Tod von Johann Daniel Herrnschmidt (s.d.) zum Adjunkt der Hallenser Fakultä t ernannt und erhält die Stelle des Inspektors des Waisenha uses. Am 9.5. 1724 heiratet R. Johanna Elisabeth (+ 30.5. 1730), die Tochter seines Lehrers Joachim Lange (s.d.); aus dieser wie der am 24.10. 1730 geschlossenen Ehe mit der Frankfurt er Predigerstochter Anna Elisabeth Büttner gehen jeweils zwe i Kinder hervor. Im Mai 1726 wird R. das Extraordinariat befördert, und am 15 .6. 1727 erhält R. als Nachfolger August Hermann Franckes d ie ordentliche Professur mit gleichzeitiger Ernennung zum U niversitätsprediger. Im Juli 1731 wechselt R., am 1.2. als Nachfolger für den verstorbenen Schupart berufen und zuglei ch zum Superintendenten ernannt, gegen den Willen der Fakult ät (sie hatte zunächst die Orthodoxen [s.d.] Valentin Ernst Löscher, Ernst Salomo Cyprian und Benedikt Carpzow, dann d ie Superintendenten Roll und Liebknecht favorisiert) als Pr ofessor primariusbei einem Gehalt von 3.000 fl nach Gießen, nachdem er am 28.6. in Hallenoch promoviert und auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. (s.d.) eine Ber ufung als Hofprediger und Professor nach Kopenhagen ausgesch lagen hatte; am 9.10. nimmt R. seine Vorlesungen auf. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit sind seine seit dem Winter 1731/1732 gehaltenen homiletischen Übungen; erstmals in Gie ßen liest R. im Sommer 1734 ein öffentliches homiletischesK olleg, das er bereits 1726 in Halle vorgetragen hatte. Gege n jegliche starre Methodik akzentuiert R., daß es in der Pr edigt alleine auf Erbaulichkeit und deutlichen Vortrag ankom me und nicht auf barocken Zierat; hierin wird R. zum Vorbil d Johann Lorenz von Mosheims (s.d.). R.s Lehrvortrag und Re putation wirktsich günstig auf die Attraktivität der Fakult ät aus, die bald regen Zulaufverzeichnet. 1734, im Jahr von R.s Dekanat, verweigert die landgräflich-hessische Regierun g R. die Erlaubnis, als Primarius und Gründungsprofessor na ch Göttingen zu wechseln. Auf Ostern erkrankt 1735 R. und verstirbt kurz darauf an den Folgen eines Schlaganfalles; sein Freund Johann Philipp Fr esenius(s.d.) bestattet ihn am 22.4. unter dem Wort aus Apk 3,7-13, »die wohlbetonte Treue eines rechtschaffenen Lehre rs« (Ledderhose [s.u.], XVI) unterstreichend. -R. stand in regem Briefverkehr mit seinem (ersten) Schwiegervater Joachi m Lange sowie Johann Gottfried Lessing (s.d.). - R. ist Sem icoccejaner undein Vertreter der nachspenerschen pietistisc hen Theologie; in Halle vermittelte er den Pietismus mit de m Wolffianismus. R.s Theologie zeichnet allerdings eine gewi sse Intransingenz aus; leiseste Abweichungen von den luther isch-dogmatischen Lehren der Gottheit Christiund der Satisf aktionslehre bezichtigte R. schnell des Semi- bzw. des Sozi nanismus. In seiner porismatischen »Hermeneutik«, einem der grundlege nden Werke dieser Gattung und breit, vornehmlichim Pietismus , rezipiert, führte R., die Theorien Franckes, der seit 171 9 hierüber las, aufgreifend, fünf »circumstantiae« (Urheber einer Rede bzw. Redner, Adressat, Zeit, Ort und Anlaß) zur historischen Verortung eines Textes und seinerEmphasen ein; das Ziel der Exegese ist letztlich allerdings weniger dogma tisch als ethisch-praktisch ausgerichtet, wenn aus einem Te xt Folgerungen (Porismata) zu ziehen seien. Die Einheit der Hl. Schriftist R. Norm und exegetische Tatsache (Gal 1,7; Eph 4,5) zugleich, so daß die Schrift aus sich selbst ausgel egt werden müsse; ihr Kern als regula fidei (und nicht als kirchliches Dogma) erhellt hierbei die dunklen Stellen, der en Inhalt in der Lehrenicht von der regula fidei abweichen oder ihr widersprechen könne. Als Ausleger des Alten Testaments neigt R.s praktisch orien tierte Exegese zuTypisierungen (Historia, s.u.); Gen 8,1 ver steht R. streng christologisch. - R.s »Catechet« (s.u.) ist der Tradition (s.d.) Philipp Jakob Speners und Christoph M atthäus Seidel verpflichtet und gilt als die zeitgenössisch methodisch fundierteste Katechetik, da ihr nicht nur Reflexi onen über Unterweisungsform und -inhalt zugrunde liegen, so ndern auch Überlegungen zur Person des Katecheten selber. R . engagierte sich in der Reform des Bildungswesens in Hesse n-Darmstadt; er strukturierte den Bildungsstoff (Erbauliche s Handbüchlein für Kinder,s.u.) wieauch die Organisation des Schulwesens neu. Theologischer Maßstab ist ihm immerwieder Martin Luther (s. d.), von dem er immer wieder Titel herausgibt [unten nicht a ufgeführt; vgl. dagegen J.J.R. Leben - Briefe - Schrr. (s.u. ), 97-110].- R., von Zeitgenossen als tief fromme und milde Natur geschildert, begründete die Zeitschrift »Hessisches Hebopfer theologischer und philologischer Anmerkungen« (HHO, nach Ex 25,2 ff.), die der theologischen Fortbildung der P farrerschaft dienen sollte; R. redigierte die ersten sechs Nummern, die siebte konnte er noch zur Drucklegung vorberei ten. - Von R.s geistlicher Dichtung ist »Ich bin getauft auf deinen Namen« (EKG 152) noch heute gängiges Kirchenliedgut.
Getauft:
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