| Notizen |
- Erich Hedemann wurde 1587 Student der Jurisprudenz an der Un iversität Wittenberg, wechselte aber schon am 7.8.1587 nach Heidelberg. 1594 erscheint von ihm in Basel eine Dissertatio n, zumindest aber ein Teil davon. Auf jeden Fall wird er 159 6 in Genf als Dr. jur. und Universitätslehrer erwähnt. Noch im selben jahr erreichte ihn eine Berufung in Celler Dienste , vermutlich auf Betreiben seines seit fünf Jahren am Celler Hof schon angestellten Bruders Otto. Am 18.10. jenes Jahres wurde er von Herzog Georg als Rat und Afvocat angenommen, u m beim Reichskammergericht in Speyer in der dort anhängigen Sache des Fürstentums tätig zu werden. Bis Ostern 1599 war e r in Speyer, dann wurde er zurück nach Celle beordert. Als " Rat Advocat" sollte er sich im wesentlichen beim Herzog und bei der herzoglichen Regierung aufhalten, aber auch innerhal b und ausserhalb einsetzen lassen. Für 200 Thaler Jahresgehalt, die übliche Hofkleidung sowie K ost und Behausung für sich und seinen Diener, wurde er zunäc hst auf drei Jahre angestellt. Schon 1600 leistete er seinem Herzog einen wichtigen ersten Dienst: Durch seinen Einsatz wurde das Amt Klotze nicht Herzog Ulrich von Braunschweig-Wo lfenbüttel, sondern dem Hause Lüneburg-Celle zugeschlagen. E in weit größerer Brocken sollte aber die Erbfolge für das Fü rstentum Grubenhagen werden. Im Unterschied zu Wolfenbüttel war Lüneburg am Ende des 16. Jahrhunderts ein armes Land, un d seine Macht war nur eingeschränkt. Durch kaiserliche Gunst hatten die Wolfenbütteler Vettern Grubenhagen 1596 nach dem Tode Philipps des Jüngeren an sich gerissen. Acht Jahre spä ter bestellten die Herzöge Ernst, Wilhelm, Christoph und Jul ius Ernst von Braunschweig-Lüneburg Dr. Erich Hedemann als N achfolger des verstorbenen Dr. Heinrich Camerarius zum Advoc aten in der Erbfolgesache. Die Verwaltung dieser schwierigen Angelegenheit wurde ihm in der Hoffnung übertragen, sie zu einem baldigen Ende zu führ en. Nicht weniger als 16 Mal musste Dr. Hedemann nach Wien r eisen, wo sein Aufenthalt teilweise fast ein Jahr dauerte. A ber erst 1613, nach dem Tode Kaiser Rudolf II. und nach dem Ableben des Herzogs Heinrich Julius von Wolfenbüttel, war et was auszurichten. Erst nachdem sich des Herzogs Sohn, der sc hwache Friedrich Ulrich, der Union der Kurfürsten von der Pf alz gegen das österreichische Kaiserhaus angeschlossen hatte , nahmen die Lüneburgisch-Cellischen Herzöge dies zum Anlass , am Kaiserhof erneut ihr Recht zu suchen. Dank des hervorragenden Einsatzes von Hedemann gelang es nun endlich, nicht nur den grubenhagischen, sondern auch einige andere Prozesse zu Lüneburgs Gunsten entscheiden zu lassen. Das Fürstentum kam durch Landzuwachs und innere Ordnung sow eit empor, dass es den 30jährigen Krieg relativ unbeschadet überstehen konnte. Dr. Hedemanns Verdienste um das Haus Lüne burg sind so vielfältig, dass sie nicht im Einzelnen aufgefü hrt werden können. Schon 1615 wurde er von Herzog Christian zu dessen Hof-Kanzler, Geheimen- auch Kammerrat und Kanzlei- Direktor ernannt, auch dieses Mal, wie schon früher, beiders eits halbjährlich kündbar. Er wohnte im Haus des Bürgermeisters Dietrich Schulten in Ce lle, das er für 1000 Thaler bereits von Herzog Ernst verlieh en bekommen hatte. Als Kanzler führte er die Aufsicht über d ie fürstliche Kanzlei und verwahrte das grosse Insiegel, gle ichzeitig das Symbol seiner Stellung. Er, und nicht der Fürs t unterschrieb alle Schriftstücke, die im Namen von Statthal ter, Kanzler und Räten abgingen. Kein Kanzler ist vor und na ch ihm so oft auf Dienstreisen gewesen wie er. Wien, Pilsen, Brüssel, Speyer, hamburg sind überlieferte Stationen seines Aufenthaltes. Sein Ausscheiden aus fürstlichen Diensten 1627 bedeutete des halb einen empfindlichen Verlust, aber noch war es nicht sow eit. In den jahren 1617 und 1618 wurde Erich Hedemann im Für stentum Grubenhagen mehrfach belehnt. Zuerst am 8. April 161 7 wegen seiner zwanzigjährigen treuen Dienste. Nun er hielt Hedemann die in Dorste und Herzberg vorhandenen Güter, die i m Lehnbrief aber nicht einzeln aufgeführt waren, weil die fr üher den Jagemanns ausgestellten Lehnsbriefe von den Wolfenb üttelern nicht zu erlangen waren. Deshalb erteilte der Herzo g am 11.1.1619 seinem Kanzler Hedemann Aufschub bezüglich di eser Güter, bis es gelänge zu erfahren, was eigentlich und i n specie zu ihnen gehöre. Noch 1627, als Hedemann das Fürste ntum verließ, war das aber nur teilweise gelungen. Erst im Jahre seines Ausscheidens hat er die Lehen gesonnen, das heißt auf Erfüllung gedrängt. Nach einigen Eingaben ste llte dann der Herzog am 30.8.1627 endlich einen neuen Lehnsb rief aus. Auch wenn das Dorster Gut schon im 17. Jahrhundert als "Kanzler- oder Doktorhof" bezeichnet wurde, so bleibt d och festzuhalten, dass Dr. Erich Hedemann dort selbst zu die sem Zeitpunkt nie seinen Wohnsitz hatte. Erst ein Sohn und s päter seine Enkel und Urenkel waren in Dorste ansässig. Nach dem er noch einen ausführlichen Bericht über seine langjähri ge Tätigkeit verfasst hatte, trat er 1628 in die Dienste des Herzogs Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorp. Glei chzeitig wurde er auch als Rat der Grafen von Oldenburg und des Königs Christian IV. von Dänemark tätig. Eine Regelung, die in jener Zeit keineswegs unüblich war. Auch in Schleswig entwickelte Hedemann bald eine umfangreiche Tätigkeit. Bei den Friedensverhandlungen zwischen dem Kaiser und Christian von Dänemark war er als Gesandter seines dänischen Herrn im Januar 1629 in Lübeck zugegen. Auch nach Beendigung des groß en Religionskrieges war er unermüdlich tätig. Nach Dr. jur. Erich Hedemann wurde die Straße "Hedemannweg" in Lemförde im Landkreis Diepholz im südlichen Niedersachsen benannt.
Literatur und Bildquelle: 1. Auswertung von Personalschriften und Leichenpredigten von Fritz Roth, Boppard 1959 2. Heimatblätter für den Südwestli chen Harzrand, Heft Nr. 41 Jahrgang 1985, Seite 13-39 vom Heimat- und Geschichtsverein Osterode am Harz.
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