Kammerrat Kaspar von Nostitz (1500-1588)

Kaspar von Nostitz entstammte einem altadligen Geschlecht in Schlesien und der Oberlausitz und war als Sohn Kaspars von Nostitz und einer von Rauschendorf auf dem väterlichen Stammsitz Lampersdorf im Fürstentum Wohlau (Kreis Steinau) geboren.

Sein Geburtsjahr war nach der ausdrücklichen Angabe der Leichenintimation des akademischen Senats und nach den Berechnungen seines Epitaphs das Jahr 1500. Seine Schulbildung hatte der junge Nostitz nach jener akademischen Schrift in der berühmten schlesischen Schule zu Goldberg absolviert und dann die Universitäten Krakau, Wien und Wittenberg besucht. Dabei lag der Hauptakzent seiner Ausbildung bei den Rechtswissenschaften. Da es mehrere brüder gab und Kaspar vielleicht nicht der älteste unter ihnen war, musste er seine Dienste den Herrschaften anbieten. Nach Preussen kam er im Jahre 1534.

Zuerst hatte er vier Jahre die Stelle eines Hausvogts auf dem Schloss zu Königsberg bekleidet und in dieser Stellung das Schloss selbst und alles was dazu gehörte unter seiner Aufsicht. Seit 1538 gehörte er dann der herzoglichen Rentkammer an. Ob Nostitz sich im Dienst des Herzogs Albrecht so wohl fühlte, dass er sich entschied Preussen zu seiner zweiten Heimat zu machen, oder ob er nur die Gelegenheit nutzte hier sesshaft zu werden, eine Gelegeheit ergab sich bald.

Zu den fränkischen Edelleuten, die einst den jungen Hochmeister Albrecht von Brandenburg nach Preussen begleitet hatten oder ihm gefolgt waren, hatte auch der 1484 in Ansbach geborene Christoph von Gattenhofen (Kattenhöfer) gehört, der schon bald darauf sein Sekretär und dann zum Kammermeister aufstieg. Albrecht von Brandenburg verheiratete seinen Sekretär und verschaffte ihm das Gut Radnicken (24 Hufen) mit dem nördlich von Ratstenburg gelegenen Dorfe Alt-Rosenthal (60 Hufen) Gattenhofen nahm im Spätsommer 1521 Barbara geborene von Radeheim zur Gattin. Die von Radeheim waren eine hessische Adelsfamilie, doch waren Vater und Großvater (beide mit Namen Gerhard) Königsberger Bürgermeister gewesen.

Da der Kammermeister noch weiteren Besitz erwarb, übertrug er 1531 die Verwaltung von Norkitten seinem Bruder Hans auf zehn Jahre. 1537 starb er selbst mit Hinterlassung des einzigen Sohnes Albrecht und mehrerer Töchter. Barbara ging 1539 die dritte Ehe ein mit dem Kammerrat Kaspar von Nostitz. Dass die hinterlassenen Landgüter des Kammermeisters Gattenhofen dem einzigen Sohn zufielen ist nicht weiter fraglich. Den Fünf Töchtern sollten aus der Hinterlassenschaft je 1000 Mark gezahlt werden und auch die Mutter erhielt bei einem Vergleich diese Summe. Trotzdem gab er weiteren Streit, denn Nostitz erhob weitere Ansprüche für seine Frau.

Nostitz selbst scheint von zu Hause aus nicht gerade über große Mittel verfügt zu haben. Das väterliche Stammgut in Schlesien war ihm zugefallen, nachdem es sein Bruder bis 1570 besessen hatte, auch wenn Kaspar damit belehnt war. Die erste in den Akten vorhandene Versicherung des Herzogs für seinen Rat, die über ein Darlehen von 382 Mark lautete, ist am Ostertage 19. April 1541 ausgestellt. Am 10. Februar hatte der Herzog seinem Rat Nostitz für geleistete Dienste das Dorf Arnsberg im Amt Brandenburg erblich zu Lehnrecht verliehen. Als einen Teil der Besoldung kann man es betrachten, wenn der Herzog am 6. September 1552 seinem Rat eine Baustätte hinter dem Schloss Königsberg in der oberen Firmanei gnädig überließ.

Das herzogliche Gnadengeschenk und weiterer Erwerb umfasste die erste weitere Belehnung mit ländlichem Grundbesitz. Die Besitzung mit dem Verschreibungsdatum vom 16. Februar 1565 umfasste nicht weniger als 110 Hufen Wald, von denen Nostitz 60 für seine Dienste erhielt und den Rest selbst erkauft hatte. Er lag in der nördlichen Ecke des Amtes Stradaunen an der Grenze des Amtes Angerburg. Nicht lange danach brachte er auch die Besitzung seines Vetters Georg an sich. (44 Hufen) In seinem Testament vom 17. Juni 1578 wird auch das südlich gelegene Gut Schanwitz als ihm gehörig bezeichnet. Fast schon als städtische Besitzung könnte die “Hellerstätte hinter dem Tragheim bei Königsberg” bezeichnet werden, die ihm 1565 verliehen wurde. Insgesamt besaß Nostitz um die 300 Hufen Landbesitz, was ihm die Mißgunst der maßgebenden Kreise einbrachte.

Inzwischen war seine Frau Barbara im Jahre 1577 nach 38 Jahren Ehe verstorben. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne und eine Tochter hervor. Die Tochter Margarethe (das dritte Kind) trat als Kammerjungfrau in den Dienst der Herzogin Anna Maria und wurde bald darauf im Jahre 1566 mit Sebastian von Brollhofen auf Reichenau und Ponarien (Kreis Mohrungen) verheiratet. Als Heiratsgut erhielt sie vom Vater neben 4000 Mark, Schmuck, Kleider und Kleinodien im Wert von 1300 Mark. Die Ehe dauerte nur wenige Jahre, denn Margarethe verstarb 1574.

Seine Söhne erhielten die gleiche gute Ausbildung: die beiden ältesten Söhne Kaspar und der 1545 geborene Friedrich sollten zuerst in Tübingen studieren. Ersterer starb schon sehr früh, angeblich zu Padua im Jahre 1564. Friedrich war inzwischen Hofrat geworden und zweimal verheiratet: mit Anna von Sallet und mit Anna von Eichicht. Er hinterließ nur eine Tochter die sich später mit Heinrich von Halle vermählte. Er selbst starb am 11. Juni 1599.

Sohn Christoph war nach Schlesien gegangen, heiratete dort Elisabeth von Strantz und verstarb kinderlos 1585. Der Kammerrat Kaspar von Nostitz verschied am 22. März 1588. Seine Ruhestätte erhielt er neben seiner Gattin im vorderen Chor der kneiphöfischen Domkirche. Man wusste nicht viel über seine amtlichen Tätigkeiten hinaus. Beispielsweise, dass er für kurze Zeit in der Reihe der obersten Burggrafen erschien, dass er sich durch Anlegung von Mühlen, Teichen, Dämmen und Kanälen und durch eine gute Bauart der Dörfer um das Land verdient gemacht hat, dass er ein großer Gegner Osianders war und dass er die fürstliche Haushaltung besserte…

Quelle:

Lohmeyer, Karl: Kaspar von Nostitz – Haushaltungsbuch des Fürstenthums Preussen 1578, Ein Quellenbeitrag zur politischen und Wirtschaftsgeschichte Altpreussens, Leipzig: Duncker & Humblot 1893

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