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Die Geschichte der Siegel

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Das Siegelwesen des Altertums und des Mittelalters ist eine einheitliche, von Generation zu Generation ununterbrochene vererbte Institution. Dabei zehrte das Mittelalter in seiner ersten Hälfte von der Arbeit des Altertums, denn es benutzte die in Menge überlieferten antiken Steinschnitte.

In der zweiten Hälfte nach dem Übergang zum Metallstempel entfaltete sich das kunstgewerbliche Geschick enorm. Der bedeutsamste kulturgeschichtliche Zeitraum in der Geschichte des Siegelwesens beginnt mit dieser Epoche. In diesem Buch werden detailliert Beispiele der Entwicklung von Formen und Typen des Siegelwesens, mit den verschiedenen Siegel-Gattungen und ihre Verwendung beschrieben.

Der von Kaiser Heinrich II. zu Anfang des 11. Jahrhunderts eingeführte Typus der kaiserlichen Thronsiegel erhielt sich volle 300 Jahre ohne wesentliche Änderung. Die Siegel der in diesem Zeitraum an die Regierung gelangten Herrscher unterschieden sich nur in der künstlerischen Ausführung, in der Form und Anordnung der Gewänder, der Insignien, im Aufbau und der Gliederung des Thrones, sowie in der Größe der Siegel.

Zu Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts kommen bischöfliche Siegel vor, die weder durch das Bild noch durch die Umschrift einen Bezug auf die Person des Sieglers hatten. Im ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts taucht wieder das runde Wappensiegel auf. Das älteste Siegel dieser Art ist das von Hermann zur Lippe, es ist sicher nachgewiesen 1281-1221.

Die genealogischen Angaben der Umschriften beziehen sich meist auf eine hohe oder doch ehrenvolle Verwandtschaft des Siegelinhabers. Selten ist die Hinzufügung eines zur Lebensbeschreibung gehörigen Datums. Die geschichtlichen Angaben beziehen sich auf die Erwerbung oder Änderung eines Siegels, auf Privilegien oder ganz fern liegende Ereignisse allgemeiner Art.

Quelle:

Seyler, Gustav Adelbert: Geschichte der Siegel, Leipzig: Verlag Friesenhahn 1894 (Download)