Biografien

Geheimer Regierungsrat und Bankdirektor Johannes Liesegang in Kiel

7775liesegangAm 29. Mai 1836 wurde dem Superintendenten und Oberpfarrer Dr. Wilhelm Liesegang von seiner zweiten Gattin Caroline geborene Schweiger ein Sohn geboren, der die Namen Karl Johannes Leberecht erhielt. Fünf Geschwister, darunter vier Brüder und eine Schwester standen an der Wiege. Zu seinen Paten zählten der Prediger Geißler, Rektor Stappenbeck, Rektor Bernau, Prediger Simon und Frau Wegebaumeister Fontane.

Der Anregung des Präsidenten des Hauptbankdirektoriums Ferdinand von Lamprecht, eines Verwandten seines Vaters, hatte es Johannes zu verdanken, dass er in den Dienst der königlichen Bank übernommen wurde.

Und so bereitete er sich auf seinen Beruf in dem Bankhaus Engelhard in Berlin, in das er im Frühjahr 1854 eintrat, vor. Am 12.4.1858 begann er dann seine Tätigkeit als Hilfsarbeiter bei der Preußischen Bank. Einige Monate darauf bestand er sein Examen und schon im Oktober desselben Jahres wurde er nach Köln versetzt, wo er zum 1. Januar 1862 eine Assistentenstelle in der Buchhaltung erhielt. Von Köln wurde er im Jahre 1862 an die königliche Bankanstalt in Dortmund versetzt, wo er 5 Jahre blieb.

Kurz nach der Einverleibung Schleswig-Holsteins in Preußen sollte in Kiel eine Bank errichtet werden. Die Leitung dieser neuen Agentur wurde Liesegang übertragen. Er wurde im September 1867 nach Kiel versetzt und eröffnete die Agentur am 10.10.desselben Jahres. Es war eine sehr schwierige Aufgabe, die er dort zu lösen hatte, als Fremdling wurde er nicht gerade herzlich empfangen. Bald nach seinem Dienstantritt in Kiel heiratete Johannes. Die Vermählung fand am 26. Mai 1868 in Dortmund statt. Diese Ehe hielt 49 Jahre, blieb aber kinderlos.

Am 1. Oktober 1872 wurde die Bankagentur zu einer abhängigen Bankkommandite erhoben und Liesegang, der am 22. Dezember 1869 Bankbuchhalter geworden war, zum 1. Vorstandsbeamten derselben ernannt. Als dann die preußische Bankkommandite am 1. Januar 1876 Reichsbankstelle wurde, bezog sie ihr eigenes neuerbautes Dienstgebäude in der Fleethörn. Liesegang, der inzwischen zum Bankrendaten und am 24. Dezember 1875 zum kaiserlichen Bankdirektor aufgerückt war, erhielt hier eine schöne Wohnung in der er mit seiner Frau fast 30 Jahre lebte.

Die Kommandite in Altona wurde gleichzeitig aufgehoben und als Hauptstelle nach hamburg verlegt. Am 1. Juli 1901 wurde Kiel endlich Reichsbankhauptstelle und damit Liesegangs Lebenswerk gekrönt; denn es war noch nicht vorgekommen, dass eine Bankagentur zur Hauptstelle aufgerückt war. Aber auch hier traten Schwierigkeiten in den Weg. Erst bei einem Essen beim Reichskanzler Fürsten Hohenlohe fiel die glückliche Entscheidung unter dem Einfluss des Grafen Posadowsky , der den Direktor Liesegang bei der Grundsteinlegung des Nordostsee-Kanals kennengelernt hatte. Der Reichsbankhauptstelle Kiel wurden die Reichsbanknebenstellen Neumünster, Rendsburg, Heide und Eckernförde unterstellt. Bals darauf, am 16. Dezember 1901 wurde Liesegang zum Geheimen Regierungsrat ernannt.

Bei dem von Jahr zu Jahr sich steigernden Verkehr genügte das alte Geschäftsgebäude auf Dauer nicht mehr. So musste denn ein Neubau errichtet werden, der am 4. Oktober 1905 in Gegenwart des Prinzen Heinrich von Preußen und des Präsidenten des Reichsbankdirektoriums Dr. Koch feierlich eröffnet wurde. Der Umsatz hatte sich von 1.355.259 Mk. im Jahre 1867 und 13.911.820 Mk. im Jahre 1868 zu 1.971.000.000 Mk. im Jahre 1904 gesteigert. Das allein war Liesegangs Verdienst und Exzellenz Koch würdigte dies in seiner Eröffnungsansprache gebührend.

Durch seine langjährige Tätigkeit und seine hervorragende Stellung war er in Kiel zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten geworden. Von seiner Majestät dem Kaiser wurde Liesegang anlässlich seines goldenen Dienstjubiläums am 12. April 1908 der königliche Kronenorden 2. Klasse mit der Zahl 50 verliehen und kurz vor seinem Eintritt in den Ruhestand erhielt er den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub. Johannes Liesegang hatte 49 Jahre lang der Freimaurerloge angehört. Er erreichte die 7. Ordensstufe und wurde dadurch Mitglied des Kapitels. Nach längerem Leiden und doch völlig unerwartet wurde der 81jährige am Abend des 5. Juni 1917 abgerufen. Am 9. Juni fand auf dem Wiesbadener Südfriedhof die Einäscherung statt. Quelle: Verbandblatt Liesegang. Die ausführliche Genealogie kann in der Datenbank nachgelesen werden.