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Die Prestinari: Italienische Einwanderer des 17. und 18. Jahrhunderts in Deutschland

Bildquelle: http://www.bruchsal.org/story/mitten-dem-leben-sind-wir-vom-tod-umfangen-choral-aus-dem-mittelalter

Um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts setzte eine starke Einwanderung von Italienern in Deutschland ein. Es waren zum Teil Handwerker, insbesondere Facharbeiter auf dem Gebiet des Bauwesens (Baumeister, Stukkateure, Maler und Schornsteinfeger) Dazu kamen Kaufleute und Händler (Südfrüchte) Sie entstammten vielfach angesehenen, ja sogar dem Landesadel angehörigen Familien Oberitaliens, die infolge kriegerischer Verwicklungen und schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse in der eigenen Heimat kein ausreichendes Auskommen hatten. Sie begannen in Deutschland oftmals mit geringsten Mitteln, brachten es aber durch ihre Tüchtigkeit häufig in kürzester Zeit zu Wohlstand und Ansehen und gelangten vielfach in öffentliche Ämter.

Einige dieser Familien die sich in den Brennpunkten des deutschen Handels in Augsburg, Frankfurt oder Köln niederließen, haben nicht nur durch ihren Reichtum eine große Rolle gespielt, sondern auch das Kulturleben stark beeinflusst (Beispiel: Clemens und Bettina Brentano)

Das Geschlecht Prestinari war von alters her in Sala ansässig, einem kleinen Ort am Westufer des Comer Sees, südlich von Tremezzo. Es war mit den einheimischen Adelsgeschlechtern de Greppi und de Salici eng versippt. Als einer der ersten Einwanderer begegnet uns Johannes Bartholomäus Prestinari, *16.2..1648 in Sala, Sohn des Dominicus und der Magdalena Puricella. Er ließ sich in Weingarten nieder, zog aber 1697 nach Überlingen am Bodensee, wo er das Bürgerrecht erwarb. Er eröffente mit seinem Sohn Dominicus und seinem Schwigersohn Johann Caprano aus Sala, dem Ehemann seiner Tochter Maria Magdalena, ein Handelsgeschäft.

Außer den beiden genannten Kindern hatte er noch zwei Söhne: Dio Pietro +1721 und Maria Joseph Bartholomäus, Kanoniker in Sala. Sein Sohn Dominicus war in erster Ehe mit der aus seiner italienischen Heimat stammenden Margarita Buzzini verheiratet; nach deren Tod vermählte er sich in Überlingen am 24.2.1715 mit Maria Franziska von Pflummern, wodurch er in nahe verwandtschaftliche Beziehungen zu den angesehensten Geschlechtern trat. Sie war die Tochter des Konsuls Mathey von Pflummern und der Maria Regina Mader. Das Klima in Deutschland sagte ihm offenbar nicht zu, denn er hielt sich wiederholt in Sala auf, wo er auch 1720 starb.

Dominicus hinterließ vier minderjährige Kinder: Maria Concordia aus erster Ehe, Bartholomeo Cesare, Giovanni Pietro und Maria Anna aus zweiter Ehe. Die Erziehung dieser Kinder übertrug er testamentarisch seinem Bruder Bartholomäus.

Das Handelsgeschäft wurde mit dessen Hilfe fortgeführt, auch nachdem der Teilhaber Johann Caprano 1726 verstorben war. Am 1.1.1730 schloss er im Namen der Erben einen Gesellschaftsvertrag mit den Gebrüdern Bernhard Anton und Joseph Anton Vanotti, Söhnen des Andreas Vanotti. Als es zu Streitigkeiten kam, wurde dieser Streit durch ein Ehebündnis aus der Welt geschafft; am 25.6.1750 heiratete Joseph Vanotti als Witwer Anna Maria, die Tochter des Dominik Prestinari.

Auch in Rottenburg gab es eine Handelsniederlassung der Prestinari, die erst als „Joseph Prestinari & Co, später als Joseph Bek & Co. firmierte. Inhaber der Firma war um 1680 Joseph Prestinari aus Sala, dessen Sohn Franz Rudolf nach Sala zurückkehrte.

Quelle: Totenzettelsammlung der USB Köln
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Ein starker Strom der italienischen Auswanderung ging in das Gebiet der rheinischen Fürstentümer, die von den Italienern als Katholiken den übrigen Gebieten vorgezogen wurden. Zuerst taucht der Name Prestinari in Eppingen auf, wo der Senator Peter Prestinari am 28.2.1700 einen Sohn Johannes und am 28.10.1703 einen Sohn Johann Georg taufen lässt. Letzterer scheint als Kind gestorben zu sein, der erstere verzog nach seiner Heirat am 7.2.1719 mit Margarethe Elisabeth Strenckard (Strengert) nach Trier. Peter Prestinari starb 1706 und wurde am 1.9. in Eppingen begraben.

Besonders auswanderungslustig waren die drei Söhne des Andreas Prestinari in Sala: Johann Baptist * um 1684, Dominik * um 1686 und Peter Bartholomäus * um 1690. Ersterer ging nach Bruchsal und erwarb dort um 1720 nach Eheschließung das Bürgerrecht. Dominik kehrte später nach Sala zurück, wo er 1753 starb. Er war verheiratet mit Martha Bella, wohl aus dem Geschlecht del Bello (Bellos) von dem sich auch ein Zweig in Bruchsal niedergelassen hatte. Seine Nachkommen verheirateten sich mit Mitgliedern der Familien Ferrari und Puricelli. Die Wurzeln der Industriellenfamilie Puricelli sind ebenfalls in der Nähe des Comer Sees zu suchen und auch sie kamen ab dem 17. Jahrhundert zuerst in die Mosel-Region.

Der jüngste Sohn Peters Bartholomäus wanderte nach Kirn an der Nahe aus und heiratete hier am 6.2.1727 Katharina Margarethe Vacano, Tochter des Andreas aus Lenno. Aus dieser Ehe entstammten 8 Kinder. Einer dieser Söhne zeugte 14 Kinder und ist damit der Begründer der heute noch blühenden Bruchsahler Linie.

Zu erwähnen sind noch Bernhard August, der in Konstanz das Amt Kreis- und Hofgerichtspräsident übernahm und Johann Nepomukfürstl. Fürstenbergischer Domänendirektor in Donaueschingen, während im Rheinlande sich nur die Töchterlinien fortsetzten.

Quelle:

Italienische Einwanderer in Deutschland von Alfred Lederle, In: Archiv für Sippenforschung Heft 12, 1939, S. 313-317

Literaturhinweise:

Puchner: Süddeutsche Kaminkehrerfamilien italienischer Herkunft, In: Archiv für Sippenforschung 1936, Seite 145

Badische Biographien, Teil V., 1891/1910, Seite 6400

Im Stadtarchiv Überlingen: Geburtsbrief und Prozessakten

Schweisthal: Welsche Einwanderer des 17. und 18. Jahrhunderts in den rheinischen Kurstaaten und Reichsstädten, In: Trierer Zeitschrift, Jg. 7, S. 116 ff

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