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Codex Falkensteinensis

Der "Codex Falkensteinensis" oder "Falkensteiner Codex" gehört zur Quellengattung der Traditionsbücher. Der Codex nimmt innerhalb der Traditionsbücher eine besondere Stellung ein, da er das einzige erhaltene Traditionsbuch einer hochmittelalterlichen weltlichen Adelsfamilie ist, während die anderen Traditionsbücher ausschließlich von geistlichen Grundherrschaften stammen.

Hintergrund:

Der Codex Falkensteinensis entstand auf Veranlassung von Graf Siboto IV. von Falkenstein, der die Handschrift 1166 vor seinem Aufbruch zum vierten Italienzug Kaiser Friedrich Barbarossas durch Kanoniker des Augustinerchorherrenstifts Herrenchiemsee anlegen ließ, um seinen unmündigen Kindern im Falle seines Todes den Familienbesitz zu erhalten. Dieser lag vor allem im Chiemgau und Sundergau sowie im Unterinntal, mit den vier Burgen Falkenstein bei Flintsbach am Inn, Hartmannsberg bei Bad Endorf, Neuburg bei Vagen und Hernstein in Niederösterreich. So beinhaltet die Handschrift eine Übersicht der gräflichen Lehen und verschiedene Verzeichnisse über Einkünfte und Familienbesitz.

Des weiteren enthält der Codex Traditions- und Kirchweihnotizen sowie eine kurze Genealogie der Familie, eine Aufzeichnung über eine Kirchenbuße, einen geheimen Mordauftrag, einen Hinweis auf eine 1133 stattgefundene Sonnenfinsternis und ein mittelalterliches Arzneirezept. Eine weitere Besonderheit des Codex sind die zahlreich enthaltenen Miniaturen, darunter ein Portrait der Familie der Falkensteiner. Die Digitalisierung der Handschrift ist ein Service des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München, der Bayerischen Landesbibliothek Online, des zentralen kulturwissenschaftlichen Informationsportals zu Bayern, vielen Dank dafür. (Signatur: BayHStA KL Weyarn 1)

Codex Falkensteinensis (1166 – 1196)

Noichl, Elisabeth: Codex Falkensteinensis, die Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein, 1978

Literatur:

  • Werner Rösener, Codex Falkensteinensis. Zur Erinnerungskultur eines Adelsgeschlechts im Hochmittelalter, in: Ders. (Hg.), Adelige und bürgerliche Erinnerungskulturen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, Göttingen 2000, S. 35-55.
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