Amalie von Gallitzin – Ein Leben zwischen Skandal und Legende

Sie war ein Skandal zu ihren Lebzeiten und wurde eine Legende, kaum dass sie ihre letzte Ruhestätte auf dem Dorffriedhof von Angelmodde gefunden gatte – die sehr schöne Fürstin Amalie von Gallitzin, geborene Gräfin Schmettau aus Berlin.

Zu ihren Lebzeiten war sie in aller Munde – wenn man mit allen jene dünne Oberschicht aus Geburts- und Geistesadel im Kleinstaaten-Deutschland des 18. Jahrhunderts meint. Skandalös war eine Aristokratin, die ihre Kinder selbst erzog und sogar Sohn wie Tochter in den gleichen Fächern unterrichtete, mit ihren Sport trieb und sie das Schwimmen lehrte.

Skandalös war es für eine Aristokratin, wissbegierig und gescheit zu sein, so dass Politiker, Philosophen und Forscher sie zur Gesprächspartnerin wählten. Amalie von Gallitzin verwirklichte das Aufklärer-Wort von Selbstbestimmung und Gewissensfreiheit und brach so die Konventionen zwischen Holland und Holstein und im Hochstift Münster, wo sie ihre zweite Lebenshälfte verbrachte. Der Klatsch hinter vorgehaltener Hand rührte sie nicht…

Ihr Vater, Samuel Graf von Schmettau (1684-1751) heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau Marie Charlotte von Boyen 1739 Marie Johanna von Rüffer aus böhmischem Adel, die ihm sechs Kinder gebar, von denen drei überlebten, darunter Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau (1743–1806), der ein bedeutender Kartograph wurde und sie, die spätere Fürstin Amalie von Gallitzin (1748–1806). Aus der ersten Ehe hatte er bereits zwei Kinder. Die Genealogien können wie immer in der Datenbank nachgelesen werden…

Zeittafel:

1748: Am 28. August wird Amalie von Schmettau in Berlin geboren. Ihre Paten waren Prinzessin Amalie, Prinz Heinrich, Prinz Ferdinand.
1753: Amalie wird zu den Ursulinen nach Breslau gebracht
1766: Amalie wird verlobt mit dem Herrn von Gersdorff zu Rettkau. Die Verlobung wird nach wenigen Monaten rückgängi gemacht wegen zu großer Schulden des Bräutigams
1768: Als Hofdame begleitet sie die Prinzessen ins Bad nach Aachen und lernt dort den russischen Fürsten Dimitri Aleksejewitsch Gallitzin kennen, den Zarin Katharina die Große von seinem Diplomaten-Posten in Paris abberufen hatte. Gallitzin macht Komtess Schmettau einen Heiratsantrag
1769: Katharina die Große ernennt Fürst Gallitzin zum Gesandten in Den Haag. Tochter Marianne wird am 7. Dezember in Berlin geboren und Mimi genannt
1770: Im März überreicht Fürst Gallitzin sein Beglaubigungsschreiben dem Erbstatthalter Wilhelm von Oranien
1775: Amalie lernt den Philosophen und Staatsbeamten Frans Hemsterhuis (1721-1790) kennen und studieren Platon
1778: Amalie möchte in die Schweiz ziehen, das zukünftige Zuhause (für ein Jahr) wird Schloss Lavigny im Waadtland
1780: Amalie kauft ein Haus in der Grünen Gasse und mietet später einen Gutshof in Angelmodde
1781: Amalie reist mit Fürstenberg und den Kindern nach Göttingen und besucht Vorlesungen über mittelalterliche Reichsgeschichte
1782: Amalie macht in Holland Honneurs für ihren Mann, der den russischen Großfürsten auf Staatsbesuch begleiten muss.
1786: Amalie geht an ihrem Geurtstag zum ersten Mal nach langen Jahren zur Beichte, später zur Kommunion
1791: Friedrich Leopold Graf Stolberg und Gräfin Sophie besuchen Amalie in Münster
1792: Im Dezember kommt Goethe nach Münster und ist Gast in der Grünen Gasse
1793: Amalie reist nach Holstein und ist Gast bei Stolbergs in Eutin und bei Julia Reventlow auf Emkendorf
1794 Mitri bekommt einen Gestellungsbefehl aus St. Petersburg. Vater und Mutter beraten die Konsequenzen. Mitri bleibt bei seinen Pfarrkindern in Pennsylvanien
1797: Napoleonische Kriegszüge und Friedensschlüsse erschüttern die Welt
1802: Die Preußen kommen. Die Kriegs- und Domänenkammer mit Reichsherr von Stein führt die Säkularisation durch
1806: Amalie stirbt am 27.4. und wird so wie sie es gewünscht hat, in Angelmodde beerdigt
1810: Franz Freiherr von Fürstenberg stirbt

Quelle:

Köhler Mathilde: Amalie von Gallitzin – Ein Leben zwischen Skandal und Legende, Paderborn, München, Wien, Zürich: Ferdinand Schöningh 1995 (Download aus der DFG Sondersammlung)

Weitere Literatur:

Katerkamp, Theodor: Denkwürdigkeiten aus dem Leben der Fürstinn Amalia von Gallitzin gebornen Gräfinn von Schmettau : Mit besonderer Rücksicht auf ihre nächsten Verbindungen: Hemsterhuys, Fürstenberg, Overberg und Stolberg ; Mit den Bildnissen der Fürstin, Fürstenbergs und Overbergs, Jahrgang 1839 (BSB München)

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