Adels-Historie, Digitale Bibliothek

Die gefürstete Linie des uralten und edlen Geschlechtes Kinsky

Kinsky-Wappen

Der Name China oder Wehyna, in beiden Formen gleichbedeutend, gleich alt und gleich richtig, ist einer der ältesten Personennamen und kommt statt eines Taufnamens in Urkunden bis zum 14. Jahrhundert bei verschiedenen Geschlechtern vor und bedeutet “Wehyna´s Burg”. Diese Burg ist lange zerfallen, aber das daran gebaute Dorf gleichen Namens ist ein landtäfliches mit mit der Herrschaft Lobosie verbundenes Gut gewesen.

Da das Geschlecht Wehynie im 15. und 16. Jahrhundert in mehrere Linien geteilt wurde, so bedeutet der Name Wehynie, Wehynsky oder Kinsky zunächst die noch blühende Hauptlinie des Hauses, während einige Linien im 17. Jahrhundert, andere noch früher erloschen sind. Die Hauptlinie behauptete sich im Besitz der Stammburg sowie der benachbarten Burg Oparno (Wopparn) deren Ruinen noch heute zu sehen sind, bis in das Jahr 1540, wo sie beide Burgen an die Herren von Wresowic verkauften.

Der bei dieser Linie durch anderthalb Jahrhunderte erblich fortgeführte persönliche Zuname “Dlask” ist nur zufällig. Im alten Böhmen war es eine Gewohnheit, sich solche persönliche Namen zuzulegen. Kinsky ist die moderne, an sich unrichtige, aber durch den allgemeinen Gebrauch bereits sanktionierte Schreibart. Durch vorhandene Urkunden ist erwiesen, dass die Familie Kinsky rein böhmischen Ursprungs ist und dem Uradel angehört.

Das seit 1150 nachweisbare Geschlecht erbte 1784 das 1713-16 von Johann Lucas von Hildebrandt erbaute Palais Daun-Kinsky in Wien (bis 1987 in Familienbesitz). Die Familie erbaute das berühmte Palais Kinsky in Prag und war im Besitz zahlreicher Burgen und Schlösser. Das Geschlecht teilt sich 1747 in die fürstliche und die gräfliche Linie.

Einer aus der Familie von Kinský war Wenzel Norbert Oktavian. Dessen jüngerer Burder wurde am 1.4.1642 geboren, trat in Böhmen in den Staatsdienst ein, wurde 1676 Appellationsrat, 1688 durch des Bruders Protektion Appellationspräsident und Statthalter in Böhmen, 1689 wirklicher Geheim- und Konferenzrat, 1696 Oberstlandrichter, 1701 Oberstlandkämmerer und am 9. Dezember 1703 kaiserlicher Kommisionär beim bömischen Landtag.

Als Kaiser Josef I. am 17. März 1711 starb, wurde Wenzel Norbert Oktavian in der Würde als Oberstkanzler bestätigt, aber mit Ernennung des Grafen Wrtby zum Oberstburggrafen von Böhmen, hörte seine Direktion der Statthalterei auf. Über diese Änderung gekränkt und verletzt, trat nun Wenzel Norbert Oktavian am 18. Dezember 1711 die Oberstkanzlerwürde ab und erhielt zur Entschädigung von seinem neuen Monarchen Kaiser Karl VI. den Orden des goldenen Vliesses und zwar im Rang unmittelbar nach den kaiserlichen Prinzen. Sein Leben als Privatmann, Gatte und Vater hatte wohlmöglich eine noch größere Bedeutung als sein stattliches Wirken, wie sich noch herausstellen wird.

Er war seit 1670 mit Anna Maria Gräfin von Martinie vermählt und erbte 1679 nach dem Tode seines Vaters die Herrschaft Böhmischkamnic und wurde 1687 zum Reichsgrafen erhoben. Seine Gemahlin starb mit Hinterlassung von drei Söhnen und fünf Töchtern im Jahre 1694. Und so ehelichte er erneut im Jahre 1697. Seine zweite Ehefrau wurde Anna Therese Freiin von Nesselrode mit der er vier Söhne und vier Töchter zeugte. Er starb nach kurzer Krankheit, 77 Jahre alt, am 3. Januar 1719.

Nach der Machtübernahme der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei wurde die Familie enteignet und des Landes verwiesen. Nach der Samtenen Revolution erhielten Norbert Kinský und Giovanni Kinský dal Borgo in Restitution unter anderem die Burg Kost, das Schloss Karlova Koruna und die Žehuňská obora mit dem Jagdschlösschen Obora zurück…..

Quelle:

Folkmann, Josef Erwin: Die gefürstete Linie des uralten und edlen Geschlechtes Kinsky, Prag: Karl André, 1861 (Download)

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